Donnerstag, 01. Mai 2025
Grußworte Mai 2025
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich nähere mich der Ampel. Rot. Eben war sie doch noch grün. Klar, das musste mir ja passieren. Gerade jetzt, wo ich sowieso unter Zeitdruck stehe. Wenn es nur heute so wäre. Nein, Sie können es mir glauben, es scheint mein Schicksal zu sein, dass ich immer die Rotphase einer Ampel erwische. Ich ärgere mich.
Vielleicht machen Sie ähnliche Erfahrungen. Ein tolles Angebot im Prospekt des Supermarktes. Und wenn Sie vor Ort sind, die nüchterne Erkenntnis, dass es ausverkauft oder aber in Ihrer Größe nicht mehr da ist. Sie haben sich auf den langersehnten Urlaub gefreut. Am Anreisetag, den Sie überwiegend im Auto verbracht haben, lockte herrliches Sonnenwetter. Dass die folgenden Tage regenverhangen und trist waren, dies scheint Ihnen kein Zufall. Es ist Ihr Schicksal. Und wenn Sie schon mal dabei sind, den Ärgernissen Ihres Lebens auf die Spur zu kommen, dann könnten Sie verspätete oder ausgefallene Züge, die unfreundliche Bedienung und so vieles mehr anführen. Lauter Ärgernisse.
Um diesen Ärgernissen auf die Spur zu kommen, genügt es den Gedanken ‚Ich ärgere mich‘, genauer anzusehen. Unsere Sprache enthüllt eine tiefere Weisheit. Ich stehe mir irgendwie selbst im Wege. Eine Erfahrung, die auch dem großen deutschen Mystiker Meister Eckhart nicht fremd war. ‚Du bist der Quell all deiner Hindernisse.‘ Als lebenskluger Seelenführer weiß er einen Rat: ‚Mensch, hüte dich vor dir selbst, so hast du wohl gehütet.‘ Die Quellen vieler Ärgernisse liegen in mir selbst. Mit schlafwandlerischer Sicherheit finde ich immer wieder jene Punkte, die meinen Ärger in mir aufkeimen lassen. Wenn er dann verraucht ist, stellt sich das eine oder andere Mal schon die Erkenntnis ein, dass es wieder unnötig war und ich mir eigentlich nur selbst geschadet habe. Daher, das innere Auge schärfen. Ob die Ampel auf Rot schaltet, das Angebot vergriffen ist, die Ferientage verregnet oder der Zug Verspätung hat. Nein, kein blindes Schicksal, das über meinem Leben lastet, sondern Zufall. Was ich nämlich so gerne übersehe, sind jene Erfahrungen, die gelungen sind. Das Gute nehme ich ganz selbstverständlich hin. Ja, das Leben ist mir freundlich gesonnen. Mein Leben mit all den vielen Menschen, die mir mit ihrer Freundlichkeit begegnen, mich mit ihrer Zuneigung beschenken und meiner Seele guttun.
Wenn ich mit meinem Gott Zwiesprache halte und in der Versuchung stehe, ihm meine Ärgernisse zum Vorwurf zu machen, empfinde ich oftmals, dass er mich mit einem milden Lächeln anblickt und mir jene Weisheit Meister Eckharts ins Herz legt: ‚Du bist der Quell all deiner Hindernisse.‘ Ich gebe dann klein bei und bin dankbar, dass er es gut mit mir meint.
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie in Momenten, in denen sich eine dunkle Wolke des Ärgers anzubahnen droht, Ihre Seele der wärmenden und gütigen Gegenwart Gottes öffnen. Er meint es gut mit Ihnen.
Mit den herzlichsten Segenswünschen
Markus Hary, Pfarrer
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