Frankenthal
Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit

Mittwoch, 08. April 2026

Bericht: Verwurzelt im Glauben, unterwegs auf Schienen:

Anton May

Es gibt Menschen, die das kirchliche Leben in vielfältiger Weise bereichern und ohne die in der Pfarrei so gut wie nichts läuft. Einer von ihnen ist zweifellos Anton May. Wer alle Ehrenämter aufzählen will, die sich bei ihm im Laufe seines Lebens angesammelt haben, muss schon in den Litanei-Modus wechseln und läuft dennoch Gefahr, das eine oder andere Pöstchen unerwähnt zu lassen. Allen voran die Pfadfinder und die Pilgerpfad-Gemeinde St. Jakobus, an deren Aufbau er maßgeblich beteiligt war, haben dem ebenso überzeugten wie umtriebigen Katholiken eine ganze Menge zu verdanken.

Am Neujahrstag 1949 geboren und als fünftes Kind einer im christlichen Glauben tief verwurzelten Familie in Ludwigshafen-Gartenstadt aufgewachsen, fand Anton May schon sehr früh in den Pfarreien St. Bonifaz und St. Hedwig seine spirituelle Heimat. Bereits mit acht Jahren stand er als Messdiener am Altar und stieß schon bald als aktives Mitglied zu den Pfadfindern, trug Kirchenblätter aus, war außerdem auch Vorbeter und gehörte dem Pfarrgemeinderat an. Als er 1976 nach Frankenthal zog, durfte er in dem noch im Entstehen begriffenen Ökumenischen Gemeindezentrum (ÖGZ) – nur einen Steinwurf von seiner Wohnung in der Hans-Purrmann-Straße entfernt – wertvolle Pionierarbeit leisten. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des DPSG-Pfadfinderstammes St. Jakobus, war stellvertretender Vorsitzender und übernahm später die Geschäftsführung. Bis zur Pastoralreform arbeitete er rund 20 Jahre im Verwaltungsrat mit und übernahm dann Verantwortung in dem für das ÖGZ zuständigen interkonfessionellen Verwaltungsausschuss.

Doch damit noch lange nicht genug der Gremienarbeit. Der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit blieb Anton May als Mitglied des Verwaltungs- und Pfarreirates ebenso erhalten wie dem Gemeindeausschuss von St. Jakobus, dessen Vorsitz er inzwischen aufgegeben hat und nur noch das Amt des Schriftführers ausübt. Als vor nunmehr zehn Jahren das Pfarrblatt „aktuell“ aus der Taufe gehoben wurde, war er von Anfang an mit von der Partie. Er gehört dem Redaktionsteam an. Er steuert Texte bei und ist regelmäßig mit dem Fotoapparat unterwegs, um die kirchlichen Aktivitäten im Bild festzuhalten. Er bedauert, dass das geschätzte Informationsheft nur noch alle zwei Monate erscheint.

Seit vielen Jahren ist Anton May darüber hinaus als Lektor und Kommunionhelfer im Einsatz, bringt das bei den Kollekten eingegangene Geld zur Bank und programmiert auch die Heizung in St. Jakobus. Unvergessen sind schließlich seine Auftritte bei der Gemeindefasnacht. Als Pfarrer Anton ging er zusammen mit seiner Tochter Christiane in die Bütt und hatte im Zwiegespräch mit Rudi Stäb – vielsagender ökumenischer Fantasiename „Die Evangkathole“ – stets die Lacher auf seiner Seite. Geschmeichelt fühlte sich May, als ihm die Protestanten anlässlich eines Neujahrsempfangs einen Salzstreuer mit der Aufschrift „Anton, du bist das Salz der Erde“ überreichten.

Das beispielhafte ehrenamtliche Engagement ist nur die eine Seite der Biografie, der interessante und spannende berufliche Werdegang die andere. Die Faszination für alles, was mit Eisenbahn und Lokomotiven zusammenhängt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Vita des Anton May. „Ich bin mit dem Vater oft Zug gefahren“, begründet er seinen Kindheitstraum, Lokomotivführer zu werden. Doch zunächst schlägt er einen anderen Weg ein. Er absolviert bei der Firma Klebs & Hartmann in Ludwigshafen eine Ausbildung zum Elektro-Maschinenbauer und arbeitet später bei der Firma Perske in Mannheim. Anstelle des Wehrdienstes geht er für zwei Jahre zum damals noch existierenden Bundesgrenzschutz und wird Funktruppführer. Anschließend drückt er noch einmal die Schulbank, um Lokführer zu werden. Er fängt 1973 im Rangierdienst und mit der Diesellok klein an, um dann ab 1979 bei IC- und TEE-Verkehr einzusteigen. Auch mit dem berühmten „Rheingold“ ist er gelegentlich unterwegs. Absolutes Highlight: Er darf im Januar 1975 einen Regierungssonderzug fahren. An Bord: Bundespräsident Walter Scheel, der unter anderem die BASF besucht. Viel hat Anton May in seinem verantwortungsvollen Job erlebt. Er war Herr über 10.000 PS und erreichte Höchstgeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern. Auf der Schiene hat er es in 14 Jahren auf eine Fahrleistung von knapp einer Million Kilometern gebracht. Ab 1987 war er dann als hauptamtliche Lehrkraft in der Aus- und Weiterbildung von Lokomotivführern im Einsatz. Nach zehn Jahren wechselte er noch einmal die Fronten und arbeitete bis zu seinem Ruhestand am 31. März 2014 als Transportkontrolleur und Prüfer für Eisenbahnfahrzeugführer.

Fehlen noch ein paar Worte zu Mays Privatleben. Er ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und inzwischen vier Enkel, der jüngste Abkömmling noch im Babyalter. Da sind nicht selten die Betreuungsdienste von Oma und Opa gefragt. Kein Wunder, dass für Hobbys nicht allzu viel Zeit bleibt. Seinen monatlichen Wandertag und den Saunabesuch lässt sich Anton May freilich nicht nehmen. Auch nicht das Fotografieren. Regelmäßig unternimmt er Ausflüge mit der Bahn, um dann festzustellen: „Die Pünktlichkeit der Züge hat stark nachgelassen.“ Um sich intensiv seiner Modelleisenbahn Spur N zu widmen, fehlt ihm derzeit einfach die Muße. Er hat  die Züge daher vorübergehend aufs Abstellgleis geschoben.

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