Montag, 02. November 2026
Hilfe, um zu überleben

Brigitte Facco (links) und Susanne Dausend-Thomas (rechts) von der Familienbildungsstätte mit Rita Höfer, Referentin für Ehe und Familie (zweite von rechts), sowie Dieter und Hanne Krauskopf von „Agus“ (zweiter und dritte von links) bei der Übergabe des Erlöses aus der Kollekte © Andrea Daum/Pilger
„Agus“ unterstützt bundesweit Menschen, die eine nahestehende Person durch Suizid verloren haben. Die Zweibrücker Selbsthilfegruppe erhielt nun mehr als 2 300 Euro aus Spenden und einer Kollekte, die bei der Feier der Ehejubiläen im Speyerer Dom gesammelt wurde.
Pirmasens. Ihre ganze Welt sei zusammengebrochen, erinnert sich Hanne Krauskopf aus Zweibrückenan den Moment, der ihr Leben und das ihres Mannes Dieter für immer veränderte. Ihr Sohn nahm sich vor einigen Jahren das Leben. Das Angebot der Selbsthilfegruppe „Agus“ (Angehörige um Suizid) half ihnen bei der Bewältigung des Schmerzes. Die Familie habe viel Zuspruch und Anteilnahme erfahren. „Das hat im ersten Moment gutgetan“, sagt Hanne Krauskopf. Aber sie und ihr Mann spürten, dass sie Hilfe brauchen, um mit diesem eine überwältigende Trauer auslösenden Ereignis umgehen zu können – um es, wie es der Verein „Agus“ formuliert, überleben zu können. In Zweibrücken helfen sie mittlerweile selbst Betroffenen, die ihr Schicksal teilen.
„Das Thema gehört in die Öffentlichkeit, denn die Menschen müssen erfahren, an wen sie sich wenden können“, unterstreicht Rita Höfer, Referentin für Ehe und Familie im Bistum Speyer. Und es sei ein Thema, das in die Kirche gehöre. Deshalb sei die Entscheidung getroffen worden, bei der diesjährigen Feier der Ehejubiläen in Speyer eine Kollekte zugunsten von „Agus“ zu sammeln. Die Feier der Ehejubiläen sei für die Teilnehmer ein freudiges Fest, bei dem aber das Leid, mit dem Familien konfrontiert sein können, nicht vergessen werde, so Höfer. Insgesamt 1 842,42 Euro brachte die Kollekte. Hinzu kamen 500 Euro an zusätzlichen Spenden.
Das Geld soll dafür genutzt werden, das Angebot in Zweibrücken bekannter zu machen. Höfer wurde über die Katholische Familienbildungsstätte Pirmasens darauf aufmerksam. Die Familienbildungsstätte bietet selbst spezifische Trauergruppenangebote und steht in engem Austausch mit Familie Krauskopf. „Die Vernetzung der Angebote ist wichtig. Es ist unser christliches Verständnis als Katholische Familienbildungsstätte, genau die Themen, wie Trauer, aufzunehmen“, unterstreicht Brigitte Facco, die Leiterin der Einrichtung, bei der Übergabe der Spendensumme.
„Agus“ ist eine bundesweit tätige Selbsthilfeorganisation. Sie hilft Menschen, die eine nahestehende Person durch Suizid verloren haben. Die Fragen und Schuldgefühle, die ein Suizid bei Hinterbliebenen auslösen kann, stellten sich auch den Krauskopfs: Hätten wir es früher erkennen müssen, hätten wir es verhindern können, warum hat er das getan, wie sollen wir damit weiterleben? „Schon die erste telefonische Kontaktaufnahme mit ‚Agus‘ hat mir das Gefühl gegeben, gut aufgehoben zu sein“, erinnert sich Hanne Krauskopf. Ein „Agus“-Seminar, in dem es um das Thema Kindverlust ging, „hat uns Wege gezeigt, die wir gehen können“. Nach dem Seminar suchten sie eine Selbsthilfegruppe und fanden sie bei „Agus“ in Saarbrücken. Angebote gibt es auch in Landau, Ellerstadt und seit zwei Jahren durch das ehrenamtliche Engagement des Zweibrücker Paars.
Suizid-Hinterbliebene müssen nicht nur mit der Trauer fertig werden, sondern kämpfen zum Beispiel in der Folge oft mit Behörden. „Viele bekommen Steine in den Weg gelegt“, weiß Hanne Krauskopf aus zahlreichen Gesprächen mit Hinterbliebenen. Manche hätten unvorstellbare Leidenswege zu gehen. Hinzu kämen nicht selten die Scham und die Erfahrung, dass hinter dem Rücken der Betroffenen geredet werde. Für das Paar war es wichtig zu lernen, „dass wir offen über das Thema sprechen“. Suizid dürfe kein Tabu-Thema sein, „da es jeden treffen kann“, ergänzt Hanne Krauskopf. Es gelte, die Trauer, die immer da sei, anzunehmen, sie ins Leben zu integrieren.
Bei der Gründung der Selbsthilfegruppe in Zweibrücken erfuhren die Krauskopfs Unterstützung durch „Agus“ und durch „Kiss“ (Kontakt-und Informationsstelle für Selbsthilfe) bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz. Das sei sehr wichtig gewesen, unterstreicht Hanne Krauskopf rückblickend. Aktuell gehörten der Zweibrücker Gruppe, „die zusammengewachsen ist und Vertrauen zueinander entwickelt hat“, 13 Betroffene an. Die Treffen finden in der Regel einmal monatlich in einem Raumstatt, der nicht veröffentlicht wird, um die Teilnehmer zu schützen. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann das Sorgentelefon 0152/51850236 anrufen oder sich per E-Mail unter zweibruecken@agus-selbsthilfe.de melden. „Wir reagieren so schnell wie möglich, weil wir wissen, dass die Menschen auf den Anruf warten.“
Text: Andrea Daum/Pilger
Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de







































