Montag, 02. November 2026
Verleihung des erweiterten Qualitätssiegels Lebensort Vielfalt® an das ambulante und stationäre Hospiz Elias
Ludwigshafen. Die Rezertifizierung mit dem Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® ist für das Hospiz Elias eine erfreuliche Bestätigung eines langen Weges. Vor drei Jahren wurden wir zum ersten Mal ausgezeichnet für eine zugewandte und bedürfnissensible Pflege und Begleitung unserer Patient*innen. Was damals mit dem Schwerpunkt auf LSBTIQ*-inklusive Pflege begann, hat sich schon bald durch das Engagement unserer Mitarbeiter*innen um die Fragen nach adäquater Pflege (post)migrantischer Patient*innen ergänzt. Gemeinsam haben wir mit Unterstützung und Anregungen des Teams von Lebensort Vielfalt® einen produktiven Prozess des Lernens und Reflektierens gestaltet, um bereits vorhandene Konzepte und Leitlinien zu verbessern bzw. neue zu entwickeln – ein Prozess der auch jetzt noch weitergehen wird, zumal wir in unserem Alltag auf neue Herausforderungen stoßen, die einmal mehr einmal weniger schwer zu bewältigen sind, immer jedoch unsere Perspektiven verändern und erweitern und vielleicht unerwartete und bis dato möglicherweise
unbekannte Aspekte vielfältigen Lebens und Sterbens eröffnen. Diese respektvoll anzuerkennen und sich nicht dagegen zu verschließen, vielmehr zu versuchen, auftretende Schwierigkeiten im Team zu meistern und Mechanismen zu entwickeln, jenen in Zukunft besser begegnen zu können, ist in Zeiten einer zunehmenden zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Verrohung von unschätzbarem Wert.
Es sind die Erfahrungen mit unseren Patient*innen und Kolleg*innen, geteilte Geschichten und Einblicke in Biografien, dankenswerterweise gewährt, wenngleich nicht immer einfach zu verarbeiten, die dies immer wieder bestätigen. Geschichten und Biografien, gezeichnet von Ängsten, Wünschen, mitunter von verdrängten oder lebenslang negierten Gefühlen und Bedürfnissen. Und gleichsam sind es auch Geschichten von Versöhnung, von Freiheit, Glück und dem Loslassen dessen, was ängstig oder isoliert. Eine Transfrau, die in ihren letzten Lebenswochen den Mut und die Sicherheit findet, sie selbst zu sein. Die „gute Freundin“, die
im Hospiz offen als Lebenspartnerin genannt werden kann. Auf der anderen Seite aber auch die Sorge von jüdischen Patient*innen, sich aus Angst vor Anfeindungen als Jüdinnen*Juden zu zeigen und offen zu leben. Ein Rabbiner, den wir für eine Veranstaltung eingeladen hatten, erzählte davon, wie schwer dies Jüdinnen*Juden in medizinischen Einrichtungen (und nicht nur dort) oft fällt. Wir arbeiten überkonfessionell und es treibt uns um, dass es jüdischen Patient*innen auch bei uns schwerfällt, sich offen zu ihrem Glauben und ihrer Identität zu bekennen, aus Angst vor Diskriminierung. Eklatant ist auch die gesellschaftlich virulente Feindschaft gegenüber Sinti&Roma, die selten kritisch thematisiert und aufgearbeitet wird. Durch eine Ausstellung zu Verfolgungs- und Überlebensgeschichten und weiterhin stattfindenden Ausgrenzungen sowie Vorträgen dazu, haben wir versucht, dazu beizutragen, dass sich dies ändert.
Durch unsere Arbeit möchten wir zeigen, dass unser Hospiz zwar kein „Safe Space“, aber ein „Safer Space“ sein kann: Das Hospiz ist Teil der Gesellschaft und leider können wir nicht immer verhindern, dass es zu diskriminierenden und verletzenden Situationen kommt. Wir können aber Instrumente entwickeln, um mit solchen Situationen umzugehen, die Betroffenen zu unterstützen und ihnen Sicherheit (zurück)zugeben. Wir können unsere Mitarbeitenden sensibilisieren und bestärken, bei Vorfällen zu intervenieren.
Wir hoffen, damit unseren Beitrag gegen Hass und Entmenschlichung zu leisten und die Welt, die unsere gemeinsame ist, im Kleinen zu reparieren.
Als Leiter des Hospizes bin ich dankbar, dass unsere Arbeit und Haltung in diesem Sommer zum zweiten Mal nach 2023 mit dem erweiterten Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® ausgezeichnet wurden. Denn es stärkt unser Bestreben in der Außenwahrnehmung – auch gegenüber Ressentiments und Ablehnung – und motiviert uns gleichzeitig darin, als Team diesen Weg bewusst weiterzugehen.
Zusatzinfo:
Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt®
Das Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® ist ein bundesweites Qualifizierungsprogramm für stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste, Tagespflegestätten, Hospize und Krankenhäuser, die in struktureller, organisationspolitischer und personeller Hinsicht Voraussetzungen für LSBTIQ*-sensible und (post-)migrationssensible Settings schaffen wollen. Darüber hinaus werden auch andere Vielfaltsdimensionen in der Qualifizierung berücksichtigt.
Deutscher Hospiztag
Der Deutsche Hospiztag findet jedes Jahr am 14. Oktober statt, um auf die wichtige Arbeit der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland aufmerksam zu machen.
Den Aktionstag hat der Deutscher Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Der Deutsche Hospiztag hat ein festes Datum am 14. Oktober und ergänzt den weltweiten Tag mit einem starken Fokus auf Deutschland.
Welthospiztag
Der internationale Welthospiztag ist jedes Jahr am zweiten Samstag im Oktober.
Text: Hospiz Elias
Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de








































