Dienstag, 20. Oktober 2026
Sprache und NS-Verbrechen
Gesprächsabend im Casimirianum Neustadt Gemeinschaftsveranstaltung widmet sich der Bedeutung von Sprache bei der Vorbereitung und Legitimierung nationalsozialistischer Medizinverbrechen
Neustadt. Sprache ist weit mehr als ein Mittel zur Verständigung. Sie prägt, wie Menschen und gesellschaftliche Gruppen wahrgenommen werden, beeinflusst unser Denken und kann dazu beitragen, Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt vorzubereiten oder zu legitimieren. Mit diesem Zusammenhang beschäftigt sich ein Gesprächsabend zum Thema „Sprache und NS-Verbrechen“, zu dem die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neustadt, die Bildungsbeauftragte der Protestantischen Kirche im Kirchenbezirk Neustadt, die Frauenseelsorge des Bistums Speyer und die Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt gemeinsam einladen.
Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 22. Oktober 2026, von 18:00 bis 20:00 Uhr im Casimirianum in Neustadt an der Weinstraße statt.
Im Mittelpunkt des Abends steht die Frage, welche Rolle Sprache im Nationalsozialismus bei der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Entmenschlichung von Menschen spielte. Wie wurden bestimmte Personengruppen sprachlich abgewertet, kategorisiert und als vermeintlich „anders“ oder „minderwertig“ dargestellt? Und welchen Anteil hatte diese sprachliche Vorbereitung daran, dass schließlich schwerste Menschenrechtsverletzungen und Medizinverbrechen gesellschaftlich und institutionell durchgesetzt werden konnten?
Als Referentin konnte Frau Dr. Theresa Schweden vom Deutschen Institut, Historische Sprachwissenschaft des Deutschen, an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gewonnen werden. Sie wird Einblicke in ihre Forschung zur sprachlichen Herstellung des „Defektmenschen“ geben und dabei aufzeigen, wie Sprache zur Konstruktion von Menschenbildern beitrug, die im Nationalsozialismus Ausgrenzung, Zwangsmaßnahmen und schließlich die Ermordung von Menschen begünstigten.
Die Veranstaltung möchte deshalb historische Erkenntnisse mit Fragen der Gegenwart verbinden. Auch heute lohnt es sich, genau hinzuhören: Welche Begriffe und sprachlichen Bilder verwenden wir? Wie sprechen wir über Menschen, die als „anders“ wahrgenommen werden? Wann werden aus scheinbar beiläufigen Formulierungen Muster der Abwertung und Ausgrenzung? Und welche Verantwortung haben wir als Einzelne und als Gesellschaft für einen respektvollen und menschenwürdigen Umgang miteinander?
Gerade in einer Zeit, in der öffentliche Debatten zunehmend von Zuspitzungen und einer Verrohung der Sprache geprägt sind, ist es wichtig, sensibel für sprachliche Entwicklungen zu bleiben. Die Veranstaltung möchte dazu anregen, Sprache bewusster wahrzunehmen, ihre Wirkung zu hinterfragen und die historischen Folgen sprachlicher Ausgrenzung nicht aus dem Blick zu verlieren.
Der Gesprächsabend verbindet damit historische Bildungsarbeit, Gedenkarbeit und die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Er richtet sich an alle Interessierten und lädt ausdrücklich dazu ein, gemeinsam ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und über die Wirkung von Sprache auf unser Denken und Handeln nachzudenken.
Die Veranstalterinnen und Veranstalter freuen sich auf zahlreiche Interessierte und einen offenen, nachdenklichen und anregenden Abend im Casimirianum Neustadt.
Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.bistum-speyer.de








































