Mittwoch, 20. Mai 2026
Mit 5 jungen Medizinern in Taizé
Taizé. Nach meiner Kaplanszeit wurde ich Schulseelsorger und Religionslehrer. Einmal im Jahr fuhr ich mit 50 Oberstufenschülern nach Taizé. Als ich zum Hochschulseelsorger ernannt wurde, habe ich dieses Angebot - nun für Studierende - beibehalten. Dieses Jahr waren (u.a.) 5 junge Mediziner dabei, die ich in Homburg kennengelernt habe (an der medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes): Giusi (28), Annika (25), Stefan (32), Oskar (20) und Eva (28). Einige von ihnen sind mittlerweile bereits praktizierende Ärzte und waren schön öfters mit der Universitätsseelsorge in Taizé. Ich hatte mit ihnen folgendes Interview dort geführt:
Warum wollt ihr nach Taizé?
Annika: Ich suche die Besinnung, die Ruhe. Außerdem treffe ich hier viele junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten - das erweitert meinen Horizont.
Oskar: Ich mag die Lieder von Taizé. Bisher war ich noch nie hier und freute mich daher sehr über die Möglichkeit, mit der Hochschulgemeinde eine Woche vor Ort sein zu können.
Was genau hat euch dazu bewogen, mit der Studierendenseelsorge zu fahren?
Stefan: Ich war schon einmal mit der ökumenischen CampusGemeinde in Taizé - mir gefällt die Gemeinschaft und dass wir in der Gruppe über religiöse Themen sprechen und uns austauschen können.
Eva: Ich bin auch zum zweiten Mal mit der Universitätsseelsorge hier. Einige von uns kennen sich also schon und sind freundschaftlich verbunden - Taizé verbindet uns.
Oskar: Ich wurde von anderen Medizinstudierenden angesprochen, ob ich mitfahren will. Die CampusGemeine kenne ich über Angebote in Homburg, etwa Gesprächsabende, auch Taizégebete.
Würdet ihr sagen, die Zeit in Taizé stärkt auch die Gesundheit, tut Leib und Seele gut?
Annika: Taizé führt raus aus dem Alltagstrott, dem Stress, der Reizüberflutung. Hier benutze ich so gut wie kein Handy, komme ich innerlich zur Ruhe. Dies hat enorme gesundheitliche Relevanz.
Stefan: Mein Glaube, mein Vertrauen auf Gott ist für mich ein wichtiger Anker. So komme ich auch gut durch herausfordernde und schwierige Zeiten, kann gelassen und zuversichtlich bleiben.
Giusi: Stille und Meditation tun gut, haben Einfluss auf Blutdruck und Immunsystem. Außerdem sind wir hier ständig an der frischen Luft.
Was unterscheidet Taizé von anderen kirchlichen Erfahrungen, die ihr macht?
Eva: Die Gottesdienste hier (3 am Tag) sind viel länger, aber eben auch meditativer, vor allem durch die Gesänge. Spiritualität und Gebet bedeuten hier auch Entspannung.
Oskar: Taizé verbindet: Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Sprachen, unterschiedlicher Kulturen, unterschiedlicher Konfessionen kommen hier zusammen, gehen gemeinsam in die Stille, kommen über den Glauben miteinander in Kontakt und in den Austausch. Hier ist Weltkirche erfahrbar.
Wie ist euer Blick als Mediziner auf unser Gesundheitssystem generell?
Giusi: Ich finde die 2-Klassen-Teilung ungerecht (privat/ gesetzlich). Gesetzlich Versicherte haben schlechtere Chancen auf zeitnahe Diagnostik und damit auch Therapie. Unser Gesundheitssystem ist zu sehr ökonomisch orientiert.
Annika: Psychische Probleme nehmen zu, auch bedingt durch Leistungsdruck und Stress oder das Gefühl, ständig verfügbar sein zu müssen. Da ist es wichtig, den Druck rauszunehmen, etwa den Konformitätsdruck durch die sozialen Medien - gerade für Jugendliche und junge Erwachsene.
Stefan: Prävention ist wichtig. Wir müssen auf unsere Ernährung, auf unseren Lebensstil achten, etwa im Blick auf unseren Tabak- oder Alkoholkonsum. Neben der körperlich-somatischen sollten wir auch die seelische Gesundheit im Auge behalten.
Was ist eurer Meinung nach die Aufgabe von Kirche für die Menschen? Was erwartet ihr von der Kirche?
Eva: Kirche sollte darauf achten, für junge Menschen spezifische Angebote zu haben. In der CampusGemeinde oder in Taizé habe ich jedenfalls nicht das Gefühl, in meinem Alter die einzige im Gottesdienst zu sein.
Oskar: Kirche kann und soll Orientierung bieten. Dabei geht es auch um Alleinstellungsmerkmale: Was hat die Kirche, was es anderswo nicht gibt? Der Glaube an die Auferstehung ist mir hier zentral. Aber auch das Phänomen, Teil einer Weltkirche zu sein, mit dem Papst als Stifter der Einheit, spricht mich an.
Annika: Kirche vermittelt Werte, gibt Antworten auf entscheidende Lebensfragen. Sie stiftet Gemeinschaft, wo doch die Gesellschaft immer mehr auseinanderzugehen droht. Ich persönlich glaube daran, meinen Wert als Mensch von Gott her zu bekommen und nicht von der Anzahl der Likes auf Instagram.
Wenn ihr ein Wort für Taizé hättet, welches wäre das?
Stefan: herausfordernd
Annika: aufreibend
Giusi: Frieden
Eva: zur Ruhe kommen
Oskar: Gemeinschaft
‚Fun Fact‘ zum Schluss: Zuweilen sind Interessierte unschlüssig, ob sie wirklich nach Taizé mitfahren sollten. Dann sage ich: Wenn es dir dort nicht gefallen hat, gebe ich dir deinen (ohnehin sehr günstigen) Teilnahmebeitrag wieder zurück. Bis zum heutigen Tag hat kein einziger Taizéfahrer danach gefragt.
Für mich bedeutet Taizé übrigens ‚ganz-bei-sich-selbst-sein‘ - ein Geschenk!
zur Person
Stefan Seckinger ist Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Kaiserslautern, die zusammen mit der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) die ökumenische CampusGemeinde bildet, wozu auch der Standort Homburg (die medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes) gehört.
Text: Prof. Dr. Dr. Stefan Seckinger
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