Redaktion der pilger

Dienstag, 02. August 2022

Ordensfrau aus Leidenschaft

Im Gespräch mit Schwester Amparo Palomino vom Generalrat. (Foto: Klaus Venus)

Schwester Roberta Santos da Rocha steht seit dem jüngsten Generalkapitel zur Jahreswende 2021/2022 an der Spitze des Klosters St. Magdalena in Speyer

Damit führt erstmals eine Brasilianerin die Ordensgemeinschaft an. Dass sie einmal Chefin werden würde, hat die 51-Jährige sich nicht im Traum vorstellen können. Im Gegenteil. „Ich bin 1994 mit dem Gedanken nach Deutschland gekommen, dass ich nie ein Amt antreten werde, weil die Leitungspositionen deutschen Schwestern vorbehalten sind“, erzählt die Ordensfrau. Und das war auch ganz in ihrem Sinn. „Denn ich wollte nicht im Büro sitzen, sondern lieber in der Küche oder im Garten arbeiten.“ Zugetraut habe sie sich eine solche Aufgabe ohnehin nicht. Es sollte anders kommen. Als die Wahl der Generalpriorin auf die lebenslustige Brasilianerin fiel, zögerte sie dennoch nicht, „Ja“ zu sagen. Die Zweifel und der Respekt vor dem Amt sind geblieben – bis heute.

Doch Schwester Roberta hat einen Weg gefunden, damit umzugehen. „Ich vertraue darauf, dass Gott und meine Mitschwestern im Generalrat mir dabei helfen, die tagtäglichen Herausforderungen zu meistern.“ Vor allem von Gott fühlt sie sich gut geführt. „Er hat mich für das Amt ausgesucht und weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Er trägt die Verantwortung, dass ich meine Arbeit gut mache“, bekräftigt die temperamentvolle Ordensfrau mit einem Lächeln auf ihren Lippen.  

Ihre Gelassenheit und ihr Gottvertrauen hat die 51-Jährige vor allem ihrem Vater zu verdanken. Wenn sie über ihn spricht, beginnen ihre Augen zu leuchten. Sie beschreibt ihn als offenen, respektvollen, lustigen, verständnisvollen und fürsorglichen Menschen mit einem großen Herzen. „Ich konnte mit meinen Problemen immer zu ihm kommen“, erinnert sie sich. „Er war mein Vorbild.“ Schwester Roberta stammt aus dem Bundesstaat Acre, der im äußersten Westen von Brasilien an der Grenze zu Peru liegt. Dort wuchs sie als Älteste mit zwei Schwestern und sechs Brüdern in einem Dorf auf. Der Vater arbeitete als Krankenpfleger, die Mutter versorgte den Haushalt. „Wir waren arm, aber mein Vater hatte dennoch immer andere unterstützt, denen es noch schlechter ging als uns.“ Er achtete auch darauf, dass seine Kinder eine gute Schulbildung erhalten.

Bereits im Alter von zehn Jahren wusste sie, dass sie Ordensfrau werden möchte. „Ich hatte gespürt, dass mir meine Familie wichtig ist, aber dass ich kein Bedürfnis nach einer Partnerschaft und eigenen Kindern empfinde. Denn ich wusste um die Verantwortung.“ Die Mutter zeigte sich von den Plänen nicht begeistert, denn sie hatte Angst, ihre Tochter zu verlieren. „Doch mein Vater hat zwischen uns vermittelt und mir versichert:,Wenn Du wieder austreten willst, dann sind wir für dich da.‘“     

Nach der Grundschule wechselte Schwester Roberta in die Schule der Dominikanerinnen in Cruzeiro do Sul. Mit 13 Jahren wurde sie in die dortige Gemeinschaft aufgenommen. „Das Ordensleben war toll. Ich habe nichts vermisst“, schwärmt die Dominikanerin noch heute von dieser Zeit. Fasziniert habe sie, mit wie viel Kraft und Elan die etwa 15 Schwestern sich ihrer Arbeit widmeten. Am 28. Januar 1990 empfing Schwester Roberta dort ihr Ordenskleid.  

Als die ehemalige Generalpriorin des Klosters St. Magdalena, Clara Kalmes, 1993 die brasilianische Niederlassung in Cruzeiro do Sul besuchte, wurde Schwester Roberta für einen längeren Aufenthalt im Mutterhaus in Speyer vorgeschlagen. Die junge Frau sollte Deutsch lernen, nach ihrer Rückkehr für die brasilianischen Mitschwestern übersetzen und ihnen die fremde Sprache beibringen. 1994 war es dann soweit: Schwester Roberta verließ ihr Heimatland, um in Deutschland neue Erfahrungen zu machen.

„Nach drei Jahren hatte mich Schwester Clara zu sich gerufen und mich gefragt, ob ich wieder nach Brasilien zurückgehen möchte.“ Die junge Ordensfrau blieb. Sie fühlte sich wohl in Speyer. Die Entscheidung über ihre Zukunft hatte sie dennoch der Generalpriorin überlassen, „denn ich dachte mir: Wenn sie meint, dass es gut ist, dass ich weiter im Mutterhaus lebe, dann soll es so sein.“ Und augenzwinkernd fügt die 51-Jährige hinzu: „Schwester Clara hat ein großes Herz und eine gute Menschenkenntnis.“ Die junge Nonne durchlief die Ausbildung zur Erzieherin, arbeitete dann in einem Kindergarten im Marienheim und in der Edith-Stein-Realschule. Auch hatte sie leitende Funktionen im Orden inne: als Generalvikarin, Priorin und Novizenmeisterin.

Als Generalpriorin möchte sie ein offenes Ohr für alle Mitschwestern haben. Am Ende jedes Tages hält sie Zwiesprache mit Gott. Dabei bittet sie ihn auch darum, ihr zu zeigen, was für die Kirche und die Kongregation richtig ist. „Mir liegt am Herzen, dass das, was Gott will, verwirklicht wird.“ Um die Zukunft des fast 800 Jahre alten Klosters und des Ordens macht sich Schwester Roberta keine Sorgen. „Gott hat uns schon so lange geführt. Ich bin sicher, dass es weitergehen wird.“ Auch wenn die Zahl der Mitglieder abnimmt. 29 Nonnen leben noch im Mutterhaus, jeweils 32 in den Niederlassungen in Brasilien und Peru. „Wir befinden uns in einem Reinigungsprozess“, bekräftigt Schwester Roberta. „Wir müssen mit der Zeit gehen, aber dennoch den Sinn des Ordenslebens nicht aus dem Blick verlieren: Gebet, Gemeinschaft, Zeugnis für Gott ablegen.“

Die Grundschule auf dem Gelände des Mutterhauses möchte die Chefin „so lange behalten, wie wir können. Denn wir brauchen einen Ort, an dem wir pastoral tätig sind“. Das Ordensleben hänge davon allerdings nicht ab, stellt sie klar. „Unter Umständen müssen wir unseren Horizont erweitern und etwas Neues auf die Beine stellen, wenn es für uns passt.“ Derzeit stünden Überlegungen an, was mit den nicht genutzten Gebäudeteilen in der Speyerer Altstadt geschehen soll – auch um Einnahmen für das Kloster zu generieren. Ihre eigene Zukunft sieht Schwester Roberta in Kolumbien. Dort wird derzeit in Zusammenarbeit mit Dominikanern eine Niederlassung aufgebaut, um mit Jugendlichen und Frauen zu arbeiten. 2026 möchte die Ordensfrau das Mutterhaus verlassen und in dem Projekt mitwirken. Dafür hofft sie auf den Segen von ganz oben.(pede)

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