Redaktion der pilger

Mittwoch, 29. Juni 2022

Offen sein für Überraschungen

Jesus ermuntert auch heute, in der Seelsorge Neues, Unversuchtes zu wagen. Auch wenn etwas nicht gelingt, sollen seine Kirche und ihre

Christliche Pionierarbeit löst unverhoffte Freude aus

Das wird kein Heimspiel. Ganz im Gegenteil, denn dort, wo Jesus die Arbeiterinnen und Arbeiter hinschickt, müssen sie mit Anfeindungen rechnen. Sie erwartet eine Angst einflößende Situation, der sie schutzlos ausgeliefert sind. Als wären sie Schafe, die zu den Wölfen geschickt werden. Und als ob das nicht schon genug Druck aufbaut, dürfen sie nicht einmal etwas mitnehmen, keine Ausrüstung, kein Essen.

Der Auftrag klingt zunächst nicht erfolgversprechend. Manche von den 72 haben vielleicht gedacht, diese Mission sei zum Scheitern verurteilt. Während die zwölf Jünger die Zwölf Stämme Israels symbolisieren, stehen diese 72 Pioniere für die Völker der ganzen Welt und damit auch für unbekannte Kulturen, in denen es vermutlich nur wenig Vertrautes gibt, an dem sie bei der Verkündigung der Botschaft Jesu anknüpfen können. Wenigstens sind sie nicht allein unterwegs, sondern werden immer zu zweit losgeschickt.

Umso größer ist die Erleichterung und die Freude als sie merken, dass sie gar keine Ablehnung erfahren. Sie waren wohl selbst ein wenig überrascht von dem, was sie vor Ort erreicht haben. Ungläubig berichten sie, als sie wieder zurück sind, dass sogar Dämonen auf sie gehört haben.

Zu gern wüsste ich, was genau passiert ist, wie sie mit den Menschen vor Ort ins Gespräch gekommen sind und woher die Begeisterung kam. Vielleicht konnten sie es auch selbst gar nicht in Worte fassen.

Begeisterung kann ich nicht erzwingen oder künstlich herbeiführen, sie wird mir geschenkt. Ich kann jedoch versuchen, auch in scheinbar hoffnungslosen Situation offen zu sein, für eine positive Überraschung, oder die Begeisterung, die andere in mir entfachen.

Wer genauer hinschaut, mit welchem Auftrag Jesus die Arbeiterinnen und Arbeiter aussendet, kann erkennen, was er laut dem Evangelisten Lukas unter christlicher Pionierarbeit versteht und mit welcher Offenheit sich die 72 auf den Weg machen.

Zuerst wird die friedliche Grundhaltung beschrieben, mit der die 72 den Menschen begegnen sollen: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!“ Mehr noch, sie sollen sich auf das einlassen, was vor Ort da ist: „Esst und trinkt, was man euch anbietet“. Und wenn sich dann die Gelegenheit bietet, den anderen etwas Gutes zu tun, dann sollen die Arbeiterinnen und Arbeiter diese ergreifen: „Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe!“

Wenn es mal nicht so gut läuft, keine Begegnung erwünscht ist, dann soll jede und jeder das behalten, was er oder sie zuvor hatte. Kein Austausch von Speisen, keine Botschaft vom Reich Gottes soll verkündet werden, nicht einmal den Staub an ihren Füßen sollen sie mitnehmen, sondern ihn abschütteln und weiterziehen. Es kann also gut sein, dass an manchen Orten keine Begegnung stattgefunden hat. Vermutlich hat ihre Grundhaltung dazu beigetragen, dass sie sich nicht lange darüber geärgert haben, sondern einfach weitergezogen sind zu denen, die sie aufgenommen haben.

Als die 72 zu Jesus zurückkehren, sind sie begeistert von dem, was sie erlebt haben und bewirken konnten. „Herr, sogar die Dämonen sind uns in deinem Namen untertan“, rufen sie ihm zu. Doch Jesus bremst ihre Freude an dieser Macht. Sie sollen sich nicht an ihrem gestiegenen Einfluss, ihrer Macht erfreuen, sondern daran, dass ihre Namen im Himmel verzeichnet sind, dass sie durch diese Pionierarbeit zu Gott gehören und Teil seiner Gemeinschaft sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen „Mit-Arbeiterinnen und Mit-Arbeitern“ – ganz gleich ob ehren- oder hauptamtlich – immer wieder den Mut, sich auf Neuland, auf unbekannte Menschen und andere Kulturen einzulassen. Die Kraft, anderen friedlich zu begegnen und sich von dem abhängig zu machen, was ihnen vor Ort angeboten wird. Dazu einen Blick für das, was sie diesen Menschen Gutes tun können – vielleicht ein gutes Wort oder ein Wort von Gottes Botschaft. Und ich bitte Gott, dass er sie mit wohltuenden Begegnungen segnet, die in ihnen Begeisterung auslösen und ihnen vermitteln, Teil von Gottes Gemeinschaft zu sein. (Clemens Schirmer)

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