Redaktion der pilger

Mittwoch, 24. April 2019

„Stärker als alle Todesmächte“

Bischof Wiesemann stellt Neuaufbau der Kirche und Schutz des Lebens in den Mittelpunkt der Osterfeiern

Mehrere tausend Gläubige besuchen an den Osterfeiertagen festlich gestaltete Gottesdienste im Speyerer Dom. In der Osternacht feierten sie die Auferstehung Jesu als Höhepunkt des Karwoche und des gesamten Kirchenjahres. Am Ostersonntag waren die Gläubigen zum Pontifikalamt und zur Pontifikalvesper in den Dom eingeladen

In seiner Predigt in der Osternacht bezog sich Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann auf den Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris. „Es ist das Gotteshaus unserer französischen Nachbarn und Freunde, Symbol ihres Glaubens und ihrer nationalen Identität.“ Für viele sei sie zum Symbol für den „gewaltigen Vertrauensverlust“ der Kirche geworden. „Stürzt nicht so vieles, was bis vor kurzem noch sicher und ewig zu stehen schien, haltlos in sich zusammen?“

In der Rückschau auf 2000 Jahre Kirchengeschichte werde immer wieder Versagen deutlich. „Aber wir sehen auch, wie in diesen 2000 Jahren immer wieder neu der Geist Jesu in Menschen erwacht ist, manchmal von außen kommend, manchmal aus dem Inneren der Kirche.“ Mit der Auferstehung Jesu sei es wie mit einem Feuer, das einfach nicht zu löschen ist. „Kein Feuer, das vernichtet, verbrannte Erde und zusammengebrochene Wirklichkeiten hinterlässt, am Ende nur kalte Asche und ätzenden Rauch.“ Das Feuer der Auferstehung sei vielmehr Licht und Wärme gerade dort, wo alles in Todesstarre verharrt. Es offenbare sich als „Leben, Mut, Trost, Zuversicht, Freude, Kraft und Leidenschaft.“ Gerade jetzt brauche die Kirche Menschen, die sich für den Neuaufbau entflammen lassen. „Wir brauchen gemeinsame synodale Wege in der Kirche, Gespräche, leidenschaftliche Diskussionen, Visionen, Mut und vor allem Vertrauen in den Heiligen Geist.“

Für die musikalische Gestaltung des Pontifikalamtes in der Osternacht sorgten unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Markus Melchiori der Domchor, die Dombläser und die Schola Cantorum Saliensis. Neben Psalmen und Wechselgesängen spielten und sagen sie Stücke von Giovanni P. da Palestrina, Charles V. Stanford, Charles Wood und anderen. Domorganist Markus Eichenlaub spielte die Orgel, die traditionsgemäß erstmals seit Gründonnerstag wieder erklang.

Auch am Ostersonntag war der Dom gefüllt mit Menschen, welche gemeinsam das Osterfest begehen wollten. Den „Gott der Lebenden, nicht der Toten“ stellte Bischof Wiesemann in den Mittelpunkt bei seiner Predigt am Ostersonntag. Der christliche Glaube sei „von Grund auf eine Botschaft der Bejahung des Lebens“. Die Liebe zum Leben nannte der Bischof „das göttliche Wasserzeichen, das uns von unseren Ursprüngen an eingewoben ist“. Aus diesem Grundvertrauen lebe die ganze Gesellschaft. Ohne es zersetze sich die Gesellschaft. „Wenn ich mich nicht existentiell auf den Schutz des Lebens verlassen kann, dann kann sich keiner seines Lebens mehr sicher sein.“ Das unbedingte Grundvertrauen in den Vorrang des Lebens müsse geschützt werden, sonst verliere alles gesellschaftliche Vertrauen die Grundlage, appellierte Wiesemann an die Verantwortung des Staates.

So müsse der Staat der „oberste Lebensschützer sein, in allen Phasen des Lebens, vom Anfang bis zum Ende“. Diesen Auftrag habe der Staat für alle und ohne Ansehen der Person, insbesondere für die, die sich selber nicht oder kaum wehren können: Kinder, Menschen mit Behinderungen, Pflegebedürftige und nicht zuletzt auch Fremde und Flüchtlinge, die in ihrer Heimat um ihr Leben fürchten müssen. Es dürfe keine Neutralität des Staates gegenüber dem Recht des Menschen auf Leben geben. Wo es bedroht ist, müsse der Staat eingreifen, so die klare Haltung des Bischofs.

Er forderte, den grundlegenden Unterschied „zwischen Töten mitsamt der aktiven Beihilfe und Sterbenlassen so klar wie möglich aufrecht zu erhalten.“ Es sei nicht die Aufgabe des Menschen, jemanden zu einem würdigen Tod zu verhelfen, sondern bis zu seinem unverfügbaren Tod zu einem würdigen Leben. Der Mensch solle nicht „durch die Hand des Anderen, wohl aber an der Hand des Anderen in Frieden sterben können“, zitierte Bischof Wiesemann eine Aussage, die der verstorbene Kardinal Franz König als christlichen Leitsatz formuliert hat. „Daher lehnen wir die aktive Sterbehilfe in all ihren Formen ab und setzen uns als Christen für ein würdevolles Leben auch und gerade im Sterben ein.“ In der Auferstehung Jesu Christi, die Christen an Ostern feiern, erweise sich Gott „stärker als alle Todesmächte“. Er gebe „der Liebe in unserem Herzen und Leben die unzerstörbare Würde“ zurück.

Das Pontifikalamt am Sonntag wurde musikalisch vom Mädchenchor, den Domsingknaben und den Dombläsern unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori gestaltet. Es erklangen die Missa „Fidem cantemus“ von Christian M. Heiß, Victimae paschali laudes von Wipo von Burgund und „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ von Myles Birket Foster. Die große Domorgel wurde gespielt von Domorganist Markus Eichenlaub.

Artikel teilen:

Weitere Nachrichten

21.09.22
Redaktion der pilger

Treffen voller Fragen

Die deutschen Bischöfe besprechen bei ihrer Vollversammlung die Turbulenzen des...
21.09.22
Redaktion der pilger

Eine Haltung des Vertrauens ist nötig

Pilger-Interview mit Generalvikar Markus Magin über seine ersten Monate im Amt...
21.09.22
Redaktion der pilger

699 Kilometer für guten Zweck

Vierte Charity-Fahrradtour des Ehepaars Schreiner führte zum MIttelmeer
21.09.22
Redaktion der pilger

Tiefer in Leben und Glaube einsteigen

Diözese Speyer und Evangelische Kirche der Pfalz starten einen neuen Online-Workshop
21.09.22
Redaktion der pilger

Ein Gleichnis fast wie ein Märchen

Jesu Erzählung vom reichen Mann und vom armen Lazarus
14.09.22
Redaktion der pilger

Engagiert mit viel Leidenschaft

Verabschiedungen und Ehrungen beim Pilger-Sommerfest im Speyerer Pastoralseminar...
14.09.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

25 Jahre Kreuzwallfahrt

Festgottesdienst des Kolping-Diözesanverbandes mit Bischof Wiesemann in der...
14.09.22
Redaktion der pilger

„Wir haben viel geschafft“

Die Beschlüsse der Vollversammlung des Synodalen Wegs
14.09.22
Redaktion der pilger

Kreuz und Krone im Museum

Neu gestaltete Ausstellungsräume für Schätze aus dem Dom
14.09.22
Redaktion der pilger

Pfarrer und Gärtner zugleich

Pfarrer Thomas Buchert hat neben dem Bellheimer Pfarrhaus einen großen Garten...
14.09.22
Redaktion der pilger

Klug handeln im Sinn Gottes

Wie aus Unrecht auch etwas Gutes werden kann
09.09.22
Redaktion der pilger

Synodaler Weg überwindet Krise

Inmitten einer schwerer Krise hat der deutsche Synodale Weg am Freitag in Frankfurt...
09.09.22
Redaktion der pilger

Leitmotiv: Mehr vom Glauben wissen

„Würzburger Fernkurs“ besteht seit mehr als 50 Jahren
07.09.22
Redaktion der pilger

Vertrauensverhältnis zerstört

Vorsitzender der Unabhängigen Aufarbeitungskommission des Bistums Speyer tritt aus...
07.09.22
Redaktion der pilger

Für immer vereint

Wie geht das eigentlich: dass zwei Menschen sich nicht nur die ewige Treue...
07.09.22
Redaktion der pilger

Umstrittene Reform

Papst Franziskus greift in den Malteserorden ein
07.09.22
Redaktion der pilger

Kindern eine Zukunft geben

Der 43. Hungermarsch in Hauenstein kommt chilenischen Einrichtungen zugute
07.09.22
Redaktion der pilger

„Keine Lehren aus dem Krieg gezogen“

Erik Wieman spürt Flugzeugwracks aus dem Zweiten Weltkrieg auf und gibt Angehörigen...
07.09.22
Redaktion der pilger

Die Hartnäckigkeit des Suchenden

Gott lässt nichts und niemanden verloren gehen
24.08.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Ein Fall für den Denkmalschutz

Es gibt viel zu entdecken am Tag des offenen Denkmals am 11. September
24.08.22
Redaktion der pilger

Ein Kreuz aus Puzzleteilen

Kolpingmitglieder aus der Diözese treffen sich zur Kreuzwallfahrt
24.08.22
Redaktion der pilger

Nicht nur sonntags

Glauben muss das ganze Leben prägen
24.08.22
Redaktion der pilger

Glaubensfest in Karlsruhe

Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen tagt erstmals in Deutschland
24.08.22
Redaktion der pilger

Preise verschärfen Hunger

Misereor will Eindämmung von Spekulationen auf Lebensmittel
24.08.22
Redaktion der pilger

Jeder hat Platz

Und dafür gibt es bei Gott auch keine Rangordnung
24.08.22
Redaktion der pilger

Fit for Fair – auf zum Solilauf!

24-Stunden-Lauf in St. Ingbert unterstützt Dorfladen im Ahrtal
24.08.22
Redaktion der pilger

Aktion „Mais für Afrika“ läuft gut

Großer Erfolg der Hauensteiner Spenden-Kampagne
24.08.22
Redaktion der pilger

Auersmacher Passionsspiele

Aufführungen in Sitterswalder Kirche werden im Herbst wieder aufgenommen
24.08.22
Redaktion der pilger

SchUM-Kulturtage 2022 in Speyer

Unterhaltsam, informativ, abwechslungsreich: Programm zeigt große Bandbreite...
24.08.22
Redaktion der pilger

„Wir haben Spaltungen hinter uns“

Die Frage nach Homosexualität sollte jede Pfarrgemeinde beschäftigen
24.08.22
Redaktion der pilger

Für Artenvielfalt und gegen Armut

Tomatenpflanzen zugunsten des Bischöflichen Hilfswerks Misereor aufgezogen
24.08.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Worauf kommt es in den Ferien an?

Tipps für Familien mit Kindern, um die freie Zeit gut zu gestalten
17.08.22
Redaktion der pilger

Woher kommt künftig Geld?

Die deutsche Kirchensteuer ist umstritten – und wird künftig weniger fließen
17.08.22
Redaktion der pilger

Von Mutter Anna zu Mutter Maria

Bistum Speyer bietet zum dritten Mal in der Nacht auf Mariä Himmelfahrt eine...
17.08.22
Redaktion der pilger

Mut zur Transparenz

Die Chefin von Radio Bremen hält viel vom Dialog – im Beruf wie in der Kirche
17.08.22
Redaktion der pilger

Fitness-Übungen für den Glauben

Die Beziehung zu Jesus muss ständig gepflegt werden
17.08.22
Redaktion der pilger

Indigene in Kolumbien schützen

Misereor fordert von der Bundesregierung den Einsatz für Menschenrechte
17.08.22
Redaktion der pilger

Seit 25 Jahren im Ehrenamt

Marita Trauth und Maria Götz bereiten Kinder auf die Erstkommunion vor
17.08.22
Redaktion der pilger

„Plötzlich war ich Jüdin“

Die Journalistin Inge Deutschkorn setzte sich für eine Erinnerungskultur ein
11.08.22
Redaktion der pilger

Miteinander für ein Naturparadies

Alle Sinne werden angesprochen: Es summt, es riecht gut und es blüht. Zarte oder...
Treffer 1 bis 40 von 4657