Redaktion der pilger

Mittwoch, 24. April 2019

Es ist der Herr

Gedanken zum Johannes-Evangelium 21, 1–19 von Pfarrer i.R. Bernhard Lin­vers

Wenn wir die ersten Verse des heutigen Evangeliums vergleichen mit dem Text der Berufung der ersten Jünger im Johannes-Evangelium (1,35–51), stellen wir Parallelen fest. Die wichtigste ist: Am Anfang rief Jesus seine Jünger von der Arbeit zur Nachfolge. Nach seinem Tod erleben die Jünger ihn als den HERRN, der von den Toten auferstand, am Ort ihrer Berufung, d.h. sie sind wieder bei ihrer früheren Arbeit, beim Fischen.

Als Jesus sie berief, waren sie begeistert, ließen alles stehen und liegen und folgten ihm. Sie erlebten, wie die Menschen ihm folgten, sie sahen seine Zeichen und Wunder, sie machten sicher auch Pläne für ihre Zukunft – sie stritten sogar um die besten Plätze in seinem kommenden Reich. Und dann der Tod am Kreuz. War alles umsonst? Gescheitert? Sie hatten ihn zwar schon als den „Auferstandenen“ getroffen, aber so recht konnten sie nichts damit anfangen.

Wenn ich mit meinen Plänen gescheitert bin, wenn ich plötzlich ein „Verlierer“ bin, welche Perspektive habe ich dann noch? Vielleicht kann ich es nochmals versuchen mit dem, was ich „gelernt“ habe? Warum habe ich mich überhaupt auf dieses „Neue“ eingelassen? Wäre es nicht besser gewesen, ich wäre bei meinem alten Leben geblieben?

Aber da war doch etwas geschehen, was sie wohl innerlich bewegte: Da war die Erzählung von der Begegnung Jesu mit den Frauen, mit den Jüngern in hoffnungslosen Situationen, im Garten beim leeren Grab, die beiden Jünger auf dem „Heimweg“ nach Emmaus. Ihr Sprecher, Simon Petrus, sagt ihnen, er wolle wieder in seinen alten Beruf – „ich gehe fischen“ und sie gehen mit, sie folgen ihm und wieder – ohne Erfolg. Und als sie am Morgen mit leeren Netzen ans Ufer kommen, steht Jesus da und sie erkennen ihn nicht. Bei solchem Misserfolg erkenne auch ich oft nicht die vor mir stehende Hilfe.

Da steht einer, den sie nicht erkennen, der schickt sie wieder hinaus zum Fischen – am hellen Tag – gegen jede Erfahrung. Die eigentliche Zeit zum Fischen ist die Dunkelheit, und da fingen sie nichts. Sie fahren aber trotzdem hinaus, und das Resultat: So viele Fische, dass sie den Fang kaum ans Ufer bringen. Jetzt erkennt ihn einer der Jünger und sagt: „Es ist der Herr!“ Es ist die Reihenfolge zu beachten: Es erkennt ihn der Jünger, den Jesus liebte, und der gibt es gleich weiter an Simon Petrus: Es ist der Herr. Es war nicht irgendwer, es war der „Lieblingsjünger“.

Die innere Einstellung zum Herrn – biblisch genannt die Liebe – führt zur Erkenntnis. Aus seiner persönlichen Beziehung kann er Jesus als den Herrn erkennen. Beziehungen lassen sich nicht verordnen, sie entstehen aus freien Stücken. Jesus bietet sie allen an – den Jüngern am See. Sie nehmen sie an und fahren nochmals zum Fischen. Und der Lieblingsjünger reagiert und gibt seine Erfahrung weiter.   

Aber es geht noch weiter. Jesus lädt die Seinen zum „Frühstück“ ein, das er bereitet hat. Auch hier gilt zu beachten: Nicht die Jünger machen das Frühstück und laden den Herrn ein, sondern umgekehrt. Manchmal ist es auch für uns in der Kirche wichtig, diese Reihenfolge zu beachten.

Wir alle sind –wie die Jünger am See - vom Herrn zum Mahl eingeladen, das er uns bereitet. Wir sehen im Mahl fast ausschließlich den „Tisch des Brotes“. Das Konzil spricht aber auch vom „Tisch des Wortes“. Wir Christen verkümmern ohne die Speise des Brotes, aber auch ohne die Speise des Wortes. Wenn ich vom „Anderen“ wenig weiß und mich auch nicht näher informiere, kann ich ihn auch nicht näher kennen lernen. Das können sein: Wortgottesdienste, Bibelkreise, Lesen in der Bibel und Meditation über Texte. Das gilt aber auch für alle, die in der „Verkündigung“ stehen, die also predigen und unterrichten. Wir müssen alles daransetzen, den Menschen Jesus und die Leitlinien seines Lebens nahe zu bringen durch das gesprochene Wort und den Stil unseres eigenen Lebens.

(Pfarrer i.R. Bernhard Lin­vers)

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