Redaktion der pilger

Mittwoch, 21. Juli 2021

Sich annehmen und neue Wege gehen

Eine Männergruppe mit Werner Vorreiter (links). (Foto: Privat)

„Men‘s Spirit Group“ ist eine neues Angebot für Männer mit und ohne Missbrauchserfahrung

„Mens‘s Spirit Group“ – so nennt sich ein neues Angebot für Männer. Eine inklusive Gruppe soll es sein, offen für Männer mit Missbrauchserfahrung und für alle Männer, die ihren persönlichen inneren Weg annehmen und gestalten wollen. Willkommen sind alle Interessierten, die ihren Weg Schritt für Schritt hoffnungsvoll gehen, sich selbst in Annahme erfahren und ihre Lebenssituation verändern möchten.

Rund zehn Prozent der Männer haben in ihrer Kindheit Missbrauchserfahrungen machen müssen. „Die wenigsten finden Worte dafür“, berichtet Werner Vorreiter aus Landau, geistlicher Begleiter und Anleiter für Meditation. Er arbeitet seit Jahren auch mit Männergruppen. „Geschieht ein Missbrauch, dann ist es sehr schwierig, den Glauben wieder zu finden, Vertrauen zu sich selbst und der Mitwelt aufzubauen“, weiß Werner Vorreiter aus eigener leidvoller Erfahrung. Zwar gebe es zahlreiche Anlaufstellen in verschiedenen Institutionen für Missbrauchsopfer, doch es gehe dabei vordergründig um materielle Wiedergutmachung.

Was Werner Vorreiter ins Leben rufen möchte, ist eine Anlaufstelle für Männer, die einen ganzheitlichen-spirituellen Ansatz als möglichen Heilungsweg verfolgt. „Die betroffenen Männer sind hochsensible Menschen. Sie konnten sich bisher nirgendwo über das Erlebte mitteilen, wurden nicht verstanden in ihrer verletzten Menschenwürde. Das tut mir weh“, sagt er. Traumatisierte Männer seien oft sprachlos und lebten zunehmend sozial zurückgezogen. Nur schwerlich könnten sie über ihre Gefühle reden. Leichter zugänglich seien Rituale, die den Betroffenen dabei helfen könnten, sich zu öffnen.

Traumasensible Seelsorge in Einzelbegleitung ist da ein guter Ansatz, wie sie beispielsweise das Bistum Freiburg anbietet. Im Stadtkloster Karlsruhe gibt es seit 20 Jahren die Frauengruppe Gottessuche. Aufmerksam auf dieses Angebot wurde Werner Vorreiter durch einen Flyer. Die Fragestellung kam auf: Wo sind die Männer geblieben?
So kam er auf die Idee, eine Gruppe für Männer anzubieten, in der sich auch Missbrauchsopfer gut aufgehoben fühlen. „Men‘s Spirit Group“ nennt er das Angebot. Dabei handelt es sich nicht um eine Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer, wie er betont. „Die Männer haben hier die Möglichkeit, über ihre Alltagsbewältigung zu sprechen – ihre detaillierte Missbrauchserfahrung soll nicht ausgetauscht werden. Grundsatz ist: Achtsamkeit und die Wirkkraft der Worte auf die Gruppe sollten immer beachtet werden.“
Werner Vorreiter beschreibt, wie ein Gruppentreffen aussehen kann: Mit einer Einstimmungsrunde wird gestartet, gefolgt von einer kurzen Meditation. Jeder kann jetzt ein Thema einbringen, über das dann abgestimmt wird. Themen können etwa sein: Grenzen erkennen und einhalten, Beziehungsgestaltung, die eigenen Rollen erkennen, Lebensgestaltung und Lebenssinn. Ein wichtiges Thema, das behandelt wird, ist eine gesunde Tagesstruktur. „Denn gerade Männer, die Missbrauch erlebt haben, finden nur schwer verlässliche Standfestigkeit in ihrem Alltag. Sie empfinden sich auf schwankendem Boden und kennen kaum zugewandte Ansprechpartner“, betont Vorreiter. Das etwa 90-minütige Treffen endet mit einer kurzen Meditation und einer Abschlussrunde.
Die Gruppe ist offen für alle interessierten Männer. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 55 Jahren. In diesem Altersbereich werden erneut Erinnerungen, Gedanken oder Träume mit traumatischem Inhalt sichtbar und fühlbar wiedererlebt. „Men‘s Spirit Group“ versteht sich nicht als therapeutische Gruppe. Männern mit schweren Erkrankungen werden Fachärzte empfohlen. „Hilfreich und wichtig kann ein Perspektivwechsel sein, da kann ich die Männer praxisnah abholen – aus eigener Erfahrung“, sagt Werner Vorreiter.

Die 14-tägigen Treffen der „Men‘s Spirit Group“ finden online oder in Präsenz im Stadtkloster Karlsruhe statt. Wer neugierig ist, neue, gangbare Wege zu entdecken und diese gehen möchte, und wer sich auf einen Perspektivwechsel einlassen kann, der ist am Wochenende vom 29. bis 31. Oktober ins Kloster Lichtenthal in Baden-Baden eingeladen. Am 12. September um 19 Uhr findet im Stadtkloster Karlsruhe ein Abend zum Thema Gewalt- und Missbrauchprävention gemeinsam mit der Frauengruppe Gottessuche mit dem Titel „Die Sprachlosigkeit einer Kindheit mit Gewalterfahrung“ statt. Referenten sind Erika Kerstner von der Frauengruppe Gottessuche nach Gewalterfahrung und Werner Vorreiter.
Weitere Angebote für 2022 sind Pilger- und Erlebnistouren, Outdoor-Trekking und die Heilkräfte der Natur erfahren. (chr. kr.)

Weitere Informationen gibt es bei Werner Vorreiter, Handy 0178/ 3527785, oder per E-Mail: werlanda@posteo.de

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