Redaktion der pilger

Montag, 05. Juli 2021

Ein Garten für alle Menschen

Der Garten der Religionen wurde offiziell am 24. September 2015 eröffnet (Foto: AG Garten der Religionen für Karlsruhe e.V.)

Der Garten der Religionen wurde offiziell am 24. September 2015 eröffnet. Eingebettet in den Stadtpark der Karlsruher Südost-Stadt soll er einen geschützten Ort des interreligiösen Dialogs im öffentlichen Raum bieten. Zugleich will der Garten Raum der Begegnung und gegenseitiger Achtung sein.

In Karlsruhe wird bereits seit den 50er Jahren interreligiöser Dialog gelebt, zunächst über die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. 1995 etablierte sich die Christlich-Islamische Gesellschaft. Beide bestehen bis heute. Juden und Christen sowie Muslime und Christen möchten darin gemeinsamen Dialog leben, sich gegen Rassismus engagieren und Projekte zusammen verwirklichen.

Eine weitere wichtige Institution für interkulturelles Zusammenleben ist in Karlsruhe das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) und das jährliche Fest der Völkerverständigung. Zudem fördert die Stadt selbst den interreligiösen Dialog und verschiedene Dialoginitiativen. Unter  Schirmherrschaft des Karlsruher Oberbürgermeisters finden seit Jahren Islamforen und die Karlsruher Islamwochen statt, die der Deutschsprachige Muslimkreis (DNK) veranstaltet. In den Vorgesprächen zur Islamwoche 2010 entstand der Wunsch, ein bleibendes Symbol multireligiöser Vielfalt und Offenheit in Karlsruhe zu schaffen. Die Idee, die später zum „Garten der Religionen“ führen sollte, war geboren. Die heutige erste Vorsitzende des Vereins des „Gartens der Religionen“, Mirja Kon-Thederan, beschreibt die Situation damals so: „Es gab bisher keinen Ort, der explizit dem interreligiösen Dialog gewidmet war und keiner Gemeinde gehörte, sondern allen. Wir dachten, es wäre doch schön, wir hätten einen Ort, der symbolisch zeigt, es gibt Dialog zwischen den Religionen und Dialog ist möglich.“

Aber wie konnte so ein aufwendiges Projekt realisiert werden? Eine glückliche Fügung war das anstehende 300-jährige Stadtjubiläum 2015. Der Ideenwettbewerb des Stadtmarketings bot eine Chance. 2010 entwickelte eine kleine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten aus dem christlich-islamischen Dialog erste Ideen. Später schlossen sich die buddhistische Gemeinde, die Jüdische Kultusgemeinde und hinduistische Vereinsmitglieder der Deutsch-Indischen Gesellschaft zur Mitarbeit an. Mit dem Landschaftsarchitekten Stefan Helleckes und dessen Büro konnte ein weiterer wichtiger Partner gewonnen werden, der mit planerischem Sachverstand die kreativen Ideen der Gruppe in eine machbare Richtung lenken konnte. Letztendlich gewann das Projekt per Online-Abstimmung den Publikumspreis des Ideenwettbewerbs. Aus der ursprünglichen Gruppe war eine Arbeitsgemeinschaft (AG) entstanden, die bei verschiedenen interreligiösen Veranstaltungen das Projekt präsentierte. Positiver Nebeneffekt dabei: Aus der engen Zusammenarbeit der Mitglieder ergaben sich zusätzliche interreligiöse Veranstaltungen und Begegnungen.

Ein Standort für den Garten wurde nach vielen Gesprächen und Diskussionen ebenfalls gefunden: der Park im neuen Stadtteil Südost-Stadt. Ein bewusster Schritt, denn auch die Bevölkerung, die den Park nutzt, kann somit zur Auseinandersetzung mit interreligiösen Themen und zum Dialog eingeladen werden. Stadtverwaltung und AG einigten sich darauf, dass die Stadt den „Garten der Religionen“ baut und unterhält. Der AG, die sich aus rechtlichen Gründen in einen Verein wandelte, wurde die Pflicht auferlegt, den Garten spirituell zu unterhalten und sich um seine Nutzung für Veranstaltungen und Dialogmöglichkeiten zu kümmern.

Mirja Kon-Thederan betont, dass der Garten kein vollständiges Abbild der Religionen der Welt geben soll. „Er ist ganz explizit ein Ausschnitt aus der Karlsruher Vielfalt der Religionen.“ Wesentliches Gestaltungsmerkmal des Gartens ist die Kreisform. Man einigte sich darauf, weil sie in vielen Religionen und Weltsichten als Symbol der Vollkommenheit betrachtet wird. Der Kreis soll einen einheitlichen Raum schaffen, der keiner Religion oder Weltsicht den Vorzug geben soll. Innerhalb des großen Außenkreises befinden sich fünf kleine Kreise, die sogenannten Teilgärten, die jeweils eine der fünf Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus, repräsentieren. In diesen Einzelgärten erklären die Religionsgruppen das Wesen ihrer Gemeinschaft und die Basis ihres Glaubens. Dies wird umgesetzt in Form eines Mosaiks in der Mitte jedes Teilgartens, das ein wesentliches Symbol dieser Religion zeigt. In den Teilgärten ist jeweils ein Sitzkreis in bewusst gewählter Größe angeordnet, damit darin ein Gesprächskreis ermöglicht wird. Dadurch wird ganz unmittelbar Begegnung und ein Austausch von Angesicht zu Angesicht möglich. Die Teilgärten sind eingefasst in Wände aus Cortenstahl, die ebenfalls Symbole der jeweiligen Religion tragen und bedeutende kurze Texte aus den heiligen Büchern oder anderen Quellen zeigen. Im großen Hauptkreis befindet sich noch ein weiterer Kreis – größer  als die Kreise, die die jeweilige Weltreligion repräsentieren. Dies ist der Ort für Feste, Aufführungen, Gebete und Gespräche in größerem Rahmen. Dieser Kreis soll im Besonderen der Ort der interreligiösen Begegnung sein. Er wurde bewusst nicht in die Mitte des Gartens gelegt, um eine symbolische Überhöhung zu vermeiden.

Die fünf kleineren Kreise und der größere Kreis sind untereinander mit einem Wegnetz verbunden, das zur Begegnung einladen soll. Im Bereich der Außenmauer werden weitere Religionsgemeinschaften gezeigt, die sich ebenfalls mit Texten sowie sinn- und wertestiftenden Grundlagen präsentieren. Die ausgewählten Zitate haben universellen Anspruch und sollen ebenfalls Symbol dafür sein, dass es ein „Garten für alle“, auch für nicht-religiöse Menschen sein soll. Es finden sich beispielsweise Zitate von Mevlana Rumi, Mahatma Gandhi, Sokrates, Konfuzius, Voltaire, Laotse, Albert Schweitzer und andere mehr.

Die Umsetzung in Form eines Gartens wurde gewählt, um eine Atmosphäre der Leichtigkeit und der Ungezwungenheit zu erzielen. Dies soll die Grundlage für die Dialogsituationen und die Veranstaltungen sein, die darin stattfinden. Nachdem der Garten gebaut und eröffnet war, haben sich weitere Personen und Gemeinschaften an das Projekt und an den Verein angeschlossen. Heute zählen dazu rund 50 Institutionen und Einzelpersonen, die religiös oder nicht-religiös sind. Durch ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm und Führungen möchte der Verein die Idee des Gartens allen Interessierten bekannt machen und so immer weiter den interreligiösen Dialog fördern und zum Dialog mit nicht-religiösen Menschen einladen und damit gegenseitige Achtung und Toleranz stärken. Yvonne Greiner

Garten der Religionen, im Citypark der Südstadt-Ost in Karlsruhe (Ecke Stuttgarter Straße/Marie-Juchacz-Straße). Führungen für Gruppen sind unter 01578/4344594 und per Mail an info@gartenderreligionen-karlsruhe.de zu erfragen. Weitere Infos auf www.gartenderreligionen-karlsruhe.de mit Veranstaltungsprogramm. Nächster Termin ist am Donnerstag, 19. August, 18.30 Uhr, ein geistlicher Impuls zum Thema Dank.

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